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Blühflächen: Biotop und "Psychotop" zugleich PDF Drucken E-Mail

Werner Kuhn (LWG) erläutert Psychotop und Biotop Funktion von BlühflächenMit Blick auf die in der Landwirtschaft bald anstehende Frühjahrsbestellung der Äcker veranstaltete das Amt für den ländlichen Raum (ALR) am Donnerstag, dem 11. März 2010 in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau aus Veitshöchheim (LWG) und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg eine Informationsveranstaltung zum Thema „Blühflächen auf Äckern sinnvoll nutzen – Lebensraum schaffen oder Biomasseproduktion?“. Dass rund 50 Personen zu dem Informationstag in das Reichelsheimer Amt gekommen waren und Landwirte wie auch Jäger, Imker und Naturschutzleute sich rege mit großem Interesse  am Informationsaustausch beteiligten, freute besonders die Organisatorin der Veranstaltung, Monique Bunzel (ALR). Das Referenten-Team, darunter auch zwei praktizierende Experten, präsentierte ein breitgefächertes Spektrum an Informationen aus Sicht der Verwaltung aber auch aus der landwirtschaftlichen Praxis, so dass sie den Teilnehmern viele Anregungen zum Thema Blühflächen mit auf den Weg geben und so gemeinsam zu einem gelungenen Veranstaltungstag beitragen konnten.

 

Die Vertragsbedingungen und Beihilfevoraussetzungen des Blühflächenförderprogramms innerhalb des Hessischen Integrierten Agrarumweltprogramms (HIAP) erläuterte zunächst Silke Fechner (ALR).  Dabei wurden Fragen zu Auswahlkriterien und Aussaatterminen, also den formalen Anforderungen der Förderung geklärt. Anschließend sprach Werner Kuhn von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim zur Anlage und Pflege von Blühflächen. Er stellte unter anderem verschiedene Saatgutmischungen aus dem Projekt „Lebensraum Brache“ vor, in dem er als Projektpartner aktiv war. Die unterschiedlichen Blühaspekte wie Zeitpunkt und Dauer der Saatgutmischungen stellte er gegenüber. Er veranschaulichte dies mit Bildmaterial, das die Blühflächen als "Psychotop", dem von ihm bezeichneten Biotop für die Sinne und Seele der Menschen, in den Veranstaltungssaal holte. Aber auch die ökologische Seite wurde angesprochen: Blühflächen sind in erster Linie Lebens-, Nahrungs- und Deckungsraum unserer heimischen Fauna. Feldhase, Reh sowie Wild- und Honigbienen sind auf diese Trittsteinbiotope angewiesen.

 

Daran anknüpfen konnte Dieter Göbel, Jäger und Hobbylandwirt – vor allem aber überzeugter Praktiker in Sachen Blühflächen im Raum Nieder-Kinzig und Ueberau, indem er aus seinem Erfahrungsschatz berichtete. Zusammen mit Landwirten schafft er ökologisch wertvolle Lebensräume und bezieht auch die Bevölkerung mit ein. Denn, an seinen Blühflächen kann der Spaziergänger kleine Informationstafeln vorfinden, die über das Biotop informieren und aufzeigen, welche Landwirte konkret aktiv sind und ihre Flächen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt haben. Da Göbel bei der bundesweiten Wildtierzählung engagiert ist, verdeutlichte er an Zahlenreihen aus seinen Jagdrevieren, dass die Feldhasenpopulationen mit der Anlage von Blühflächen eindeutig zunehmen. Weiter sagte er, dass mit der Beseitigung und einem Umbruch solcher Flächen mit einer erheblichen Abnahme an Feldhasen zu rechnen ist.

 

 

Im zweiten Informationsblock wurde von Gerhard Didion (ALR) eine Alternative zur Blühflächenanlage vorgestellt: Energie aus Kulturpflanzen am Beispiel von Miscanthus. Er informierte über die relativ hohe Energieausbeute dieser Pflanze gegenüber Raps oder Energieholz und zeigte einen Fernsehbericht des Hessischen Rundfunks, in dem Miscanthus von der Gewinnung bis hin zur Nutzung durch die Miscanthus Gersprenz GmbH in Brensbach dargestellt wird. „Was im Odenwaldkreis produziert wird, bleibt auch hier“, so Didion in seinem Vortrag. Regionale Wertschöpfung steht hier an erster Stelle.

Trotz der großen Menge an Informationen und Anregungen gelang es Kuhn (LWG) in seinem Abschlussvortrag einen interessanten Bogen aus der eigenen landwirtschaftlichen Praxis zur  Forschung auf den Versuchsfeldern zu spannen. Seinem  zweiten Beitrag über "Energie aus Wildpflanzen", stellte Kuhn seinen Dank an Didion und den Odenwaldkreis voran und ermunterte alle Beteiligten dazu  im Engagement für den Miscanthus-Anbau und die thermische Verwertung nicht nachzulassen. Aus seinen Jahre langen Versuchsreihen könnte er nur bestätigen, dass Miscanthus, wenn dieser Pflanze gute Anbaubedingungen zur Verfügung stünden, als beste Energiepflanze zu bewerten sei. Wenn es dagegen um die Verwertung in Biogasanlagen geht,  sieht Kuhn die Ausweitung des Maisanbaus eher kritisch. Er stellte sein neuestes Forschungsprojekt vor, und knüpfte an die Erfahrungen jedes Gartenbesitzers an, wenn im Herbst große Berge von Biomasse aus Kräutern und Stauden anfallen und bewältigt werden müssen. Dieses Pflanzenmaterial enthält oft genauso viel in Biogasanlagen verwertbare Inhaltsstoffe wie Mais, so die Laboruntersuchungen. Und es hat den Vorzug, dass es weniger verholzt ist als Mais und vor allem beim Anbau und in der Aufwuchsphase sehr viel umwelt- und naturverträglicher ist als Mais. Welche Saatgutmischungen von Wildkräutern die beste Eignung haben, wird zurzeit noch in dem Forschungsprojekt untersucht.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Referenten gaben dem Amt ein positives Feedback für den Informationstag. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter http://www.lebensraum-brache.de sowie beim ALR unter 06164/505-0.

 
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